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"Einsatz" in Frankreich - 28.07.-07.08.2011

THW-Helfer aus dem Raum Aachen beim CMS-Lehrgang "Technicien de Catastrophes".

"Bonjour - guten Morgen - buenos dias" - dieser morgendliche Gruß galt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Lehrgangs "Technicien de Catastrophes", die zum Morgenappell in Verny/ Frankreich angetreten waren. Insgesamt 31 Teilnehmer aus Frankreich, Algerien, Andorra und Deutschland, unter ihnen sieben Helfer des Technischen Hilfswerks aus Aachen, Stolberg, Herzogenrath und Hürtgenwald waren zu dem Lehrgang des französischen Corps Mondial de Secours (CMS) angereist, der vom 29. Juli bis 7. August in der Nähe von Metz stattfand.

Das CORPS MONDIAL DE SECOURS ist eine vom französischen Staat anerkannte nichtstaatliche Hilfsorganisation (NGO) des französischen Katastrophenschutzes (Securité Civile) mit ausschließlich ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und den Aufgabenschwerpunkten Bergung und Rettung, insbesondere im Ausland. Zuletzt war das CMS bei der Überschwemmungskatastrophe in Birma im Einsatz und nach dem Erdbeben in Haiti. Seit 1985 bestehen zwischen dem CMS und dem THW Nordrhein-Westfalen enge freundschaftliche Kontakte. Federführend hierfür ist die THW-Geschäftsstelle Aachen. Seit 1987 haben mehr als 150 Helfer des THW an den Lehrgängen des CMS "Technicien de Catastrophes" teilgenommen, die alle zwei Jahre stattfinden, und viele persönliche Kontakte geknüpft.

Bereits am Donnerstag 28. Juli fuhren Markus Kalf (OV-Aachen) und Rainer Bergs (OV-Hürtgenwald) mit dem MzKW (Mehrzweckkraftwagen) von Aachen nach Oissel bei Rouen in Frankreich, um Ausstattung und Geräte des CMS für den Lehrgang abzuholen. In Oissel lagert das CMS das gesamte Material in einer Polizei-Kaserne. Nach 1.046 Kilometer Fahrt kamen die beiden passionierten Kraftfahrer, im wirklichen THW - Leben beides Zugführer aus Aachen und Hürtgenwald, gegen 20:00 Uhr am Lehrgangsort Verny an.

Rainer Bergs übernahm wie bereits im vergangenen Jahr seine Aufgaben in der Lehrgangsleitung als stellv. Lehrgangsleiter, während Markus Kalf als "Chauffeur de material" mit den französischen Logistikern für das Material zuständig war. Während der kommenden sieben Tage wurde jeden Morgen das Material und die Ausstattung individuell nach Lehrgangsthema zusammengestellt, verlastet und an die Ausbildungsorte rund um Verny transportiert.

Die Anreise der THW-Teilnehmer erfolgte am Freitag 29. Juli, am Samstagmorgen war der Lehrgang komplett. Die Helfer und Helferinnen wurden in gemischte Trupps aufgeteilt und bauten Ihre "Unterkünfte" auf. Jeder Trupp hatte ein Zelt zur Verfügung und diente dem Zusammenhalt und der Kameradschaft.

Theoretische und praktische Ausbildung in der Bergung und Rettung von Verletzten aus Trümmern und von sonstigen Hilfsmaßnahmen bei Katastrophen sowie Übungen bei Tag und bei Nacht ließen die Helfer nur wenig zur Ruhe kommen, und beim gemeinsamen Frühstück schaute man in so manches verschlafene Gesicht. Für die praktische Ausbildung standen verschiedene interessante Objekte zur Verfügung. Hier kamen erneut die guten Kontakte des CMS zum Tragen, durch die eine Nutzung des alten Fort de l'Aisne , oder "Feste Wagner", einer alten Festung aus dem 1.Weltkrieg, möglich war. Ebenso konnten Ausbildungen auf einem Lagerplatz für Abbrucharbeiten in Cherisey durchgeführt werden. Dort boten schwere Beton- und Steintrümmer beste Voraussetzungen für Gesteinsbearbeitung und Bewegen von Lasten.

Zwischendurch fanden überraschende "manœuvres" (Einsatzübungen) statt. So kam bereits am Sonntagabend um 22 Uhr der Einsatzbefehl zu einer Vermisstensuche. 15 Personen mussten in einem Waldstück gefunden und geborgen werden.

Eine Nacht verbrachten die Teilnehmer in einem selbst errichteten Biwak in freier Natur mit Planen und Schlafsack. Das Schlafen auf dem Waldboden war sicherlich für viele ungewohnt und eine neue Erfahrung.

Nach dem Abendessen wurde die Ausbildung oft noch bis in die Nacht fortgesetzt. Vorträge und Präsentationen forderten die Aufmerksamkeit, aber auch praktische Wiederholungen der Techniken.

Es wurde entsprechend der CMS - Ausbildungsrichtlinie gearbeitet, was eine gute Erfahrung für die THW-Helfer war. Die Techniken des CMS und des THW sind zum Teil unterschiedlich. Sprachlich gab es keine großen Probleme. Man verständigte sich auf Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch, und irgendwo ließ sich immer ein Platz für erläuternde Skizze finden.

Die Lagerdienste wie Spülen, reinigen der sanitären Anlagen, fegen der Flure u.v.a. wurden von den Trupps in Wechsel übernommen. Das Basiscamp befand sich in einem Internat, welches in den Ferien nicht belegt ist und dem CMS zur Verfügung gestellt wird. Die Teilnehmer schliefen in Zelten, die Sanitäreinrichtungen des Internates konnten genutzt werden

Bei der Abschlussübung am Freitag dem 5. August wurden die Lehrgangsteilnehmer noch einmal extrem gefordert. In einem ehemaligen Kasernenkomplex der Französischen Armee aus dem 2. Weltkrieg bestanden beste Möglichkeiten zur praktischen Anwendung der verschiedenen Bergungsmethoden aus eingestürzten Gebäuden. In dem weitläufigen Gelände und in den Gebäuden mussten 16 "Verletzte" gefunden und aus unterschiedlichsten Lagen geborgen werden. Dabei kamen auch Rettungshunde-Teams des CMS zum Einsatz. Das Bergen aus einem engen Schacht über einen Dreibock, das Ablassen mittels Leiterhebel oder die Anwendung der 4-Mann-Methode sind nur einige Beispiele der angewandten Techniken. Auch aus Kellerräumen ohne Zugang mussten Verletzte mittels Mauerdurchbrüchen geborgen werden. Gegen 4 Uhr am Samstagmorgen waren alle "Opfer" geborgen und das Manöver erfolgreich beendet.

Der Aachener THW-Geschäftsführer Wolfgang Friebe konnte am Freitagabend sehr interessiert die Abschlussübung verfolgen. Er wurde begleitet von dem Sachbearbeiter Ausbildung Christian Schütze und von Gerhard Escherich, der 25 Jahre lang stellv. Lehrgangsleiter gewesen war.

Nach kurzem Schlaf galt der vorletzte Tag dann der Materialpflege, der Verlastung der Ausstattung auf den MzKW für den Rücktransport sowie dem Abbau des Camps. Der Abschlussabend am Samstag wurde mit einem offiziellen Empfang für die Bürgermeisterin und die Gemeindevertreter von Verny sowie für einige Politiker und Bürgermeister der Region durch Jean-Claude Cantin, Präsident des CMS eröffnet. Nach dem offiziellen Teil servierte die Küche ein köstliches Abendessen. Bei gemütlichem Beisammensein, Bilderschau und Klönen wurden die in der Woche entstandenen Freundschaften besiegelt. Nach einer Woche voller gemeinsamer Erlebnisse fiel der Abschied am Sonntagmorgen entsprechend schwer. Am Nachmittag trafen die Aachener Helfer wieder wohlbehalten zuhause ein.

Bereits um fünf Uhr früh begann der Sonntag für die Logistik sowie für Rainer Bergs und Markus Kalf, erneut 1000 Kilometer Fahrt vor Augen, um die Ausstattung wieder zurück in das Lager nach Oissel zu transportieren. Vor der Fahrt hatte Gaëlle Rigourd noch frisches Stangenbrot eingekauft, sowie Frühstück und ein Lunchpaket für jeden bereitet.

Die Fahrt quer durch Frankreich verlief ohne Probleme. Auch das Entladen des Materials in Oissel ging gut von der Hand. Nach einem herzlichen Abschied von den französischen Logistikern Yves-Marie Kugler und Jean-Marc Le Roy erreichten Markus Kalf und Rainer Bergs am Sonntagabend gegen 20:30 Uhr wohlbehalten die THW Unterkunft in Aachen.

©Gerhard Escherich / Markus Kalf

Hinweis in eigener Sache: Der nächste Lehrgang wird aller Voraussicht nach 2013 stattfinden. Sollten sich also Helfer aus dem GFB Aachen für eine Teilnahme interessieren, bitte ich um einen entsprechenden Hinweis per Mail. Ich würde dann rechtzeitig diese Information streuen - parallel wie immer über die GST und die OB's. Gruß, Rainer


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